Das Volksbegehren Nichtraucherschutz Bayern hat mit 14% genug Unterschriften erzielt, um einen Volksentscheid zu verlangen und ich mache mir Sorgen, mit Amerikanern verwechselt zu werden, weil ich meine Freiheit bedroht sehe.

Nachdem die Regierung in Bayern ein eher kritisiertes Gesetz zum Rauchverbot in Bayerns Gaststätten einführte, dass schließlich wieder abgeschafft wurde, da die Bildung von Raucherclubs das Gesetz in den meisten Kneipen wieder aufhob, blieb der Nichtraucherschutz für mich erstmal ein unbedeutendes Thema. Nicht, dass ich das Rauchen verteidigen würde, weil es zu Bayern gehört, ich sehe mich ganz im Gegenteil immer noch als Sachse, zähle Bier nicht zu den Grundnahrungsmitteln und kann der bayerischen Lebensart auch sonst nichts abgewinnen. Dennoch rauche ich ca. schon seit drei Jahren regelmäßig, besonders wenn ich mal in der Kneipe sitze.

Grundsätzlich rauche ich nur aus wenigen Gründen: Aus dem unterstützenden Aspekt einer “guten Zigarette” bei Gesprächen mit Freunden (unabhängig ob in der Kneipe) oder um einen Grund zu haben, mal eine Pause zu machen. Ich versuche, vor den Leuten, von den ich glaube, das Rauchen würde sie stören, nicht zu rauchen – auch wenn noch nie eine direkte Klage kam – und genauso vermeide ich es vor Kindern zu rauchen, wenn ich nicht gerade beim Weg durch die Stadt für einen Augenblick an einem vorbeilaufe.

Mein Freundeskreis besteht schätzungsweise überwiegend aus Nichtrauchern, somit bilde ich eher die Ausnahme. Dennoch hat sich keiner noch bei mir deswegen beschwert – im Gegenteil – bei manchen kann ich trotzdem in der Wohnung rauchen oder sie gehen mit raus, wenn ich eine rauchen will. Von daher könnte ich mir nicht vorstellen, dass einer von den das Nichtraucherschutzvolksbegehren unterzeichnet hat. Ich glaube nichtmal, dass Jugendliche, die sich nicht die totale Abhängigkeit von ihren Eltern wünschen, unterzeichnet haben. Das würde ihrem allgemeinen Verhalten doch widersprechen, egal ob Raucher oder nicht.

Ich habe im Moment eher das Gefühl, dass die grundsätzliche Absicht hinter diesem Volksbegehren weniger Sorgen um die Gesundheit ist, sondern grundsätzlich eher die Absicht, Raucher aus der Öffentlichkeit entfernen zu wollen. Dabei musste man als Raucher in den vergangenen Jahren schon einige Einschränkungen hinnehmen, ganz angefangen bei den Tabaksteuererhöhungen. Das man noch in Zügen rauchen durfte, hab ich nur so halb mitbekommen, auf Bahnhöfen dürfen sich Raucher im gelben Quadrat als Sünder zu erkennen geben und in der Nürnberger Innenstadt darf man nun auch nicht mehr in Haltestellen der öffentlichen Nahverkehrsmittel rauchen. Und ein öffentliches Gebäude, in dem Rauchen erlaubt ist, habe ich vermutlich noch nie gesehen, seitdem ich Raucher bin, auch wenn sichbei manchen das Gegenteil wie eine Selbstverständlichkeit anhört. Halte ich dennoch nicht unbedingt für nicht so falsch, dort nicht zu rauchen. Zwar fehlt noch das Verbot für minderbemittelte Jugendliche, denen aufgrund ihres Markenkleidungskonsums das Geld für ein paar Kopfhörer für ihr Handy fehlt, wodurch sie sich gezwungen fühlen, die integrierten, qualitativ eher schlechten Handylautsprecher zu verwenden und jeden mit schlechter Musik zu belästigen, aber ich hoffe, das wird genauso aus den Zügen und öffentlichen Plätzen verbannt, wie die Raucher.

Aktivrauchen ist schädlich und Passivrauchen auch, davon bin ich überzeugt. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass die persönliche Freiheit auch beinhaltet – neben dem Extrem – Selbstmord – seine Gesundheit zu schädigen. Und das machen viele sicherlich nicht nur durchs Aktiv- oder Passivrauchen, sondern z.B. auch durch exzessiven Alkoholgenuss während der Pubertät, während sich das Gehirn noch in einer Wachsumsphase befindet und es besonders anfällig auf Alkohol ist. Interessiert in Selb aber niemanden (vgl. Häich, Fr/Sa 20-01 Uhr). Mich stört nur an einem möglichen Rauchverbot in Kneipen grundsätzlich die Tatsache, dass sich Gewohnheiten nur schwer abgewöhnen lassen und ich beim guten Gespräch mit Freunden nunmal gerne rauche, auch in der Kneipe. Und dass ich irgendwie keine klagenden Nichtraucher sehe, zumindest niemand, der seine Gesundheit bedroht sehen würde. Das wäre dann wohl vermutlich die Abschaffung des letzten öffentlichen definierten Ortes, an dem noch ohne Probleme geraucht werden darf. Müssen wir nur noch den Alkoholkonsum in Massen eindämmen und die Autobahn auf 100 km/h beschränken, dann ist die Welt perfekt. Und zum Schutz der Nichtraucher dürfen diese dann wieder die Kneipe durch den Rauchschwall der Raucher, die alle 15 Minuten vor der Kneipe rauchen, betreten. Aber letztendlich handelt es sich beim Nichtraucherschutzbegehren vermutlich um die gleiche Panikmache, die bei CO2, Atomkraftwerken und Handymasten auch gemacht wird. Einer schreit und viele schreien mit, ohne nachzudenken.

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