Ich war heute mit meinem Mitbewohner in der Stadt, um meine Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Gekauft habe ich nichts, weder Weihnachtsgeschenke noch ein Abo für eine Zeitung, das mir unter falschen Angaben angeboten wurde.
Die Weihnachtszeit soll Menschen ja grundsätzlich glücklich stellen. Man wird (hoffentlich) reich beschenkt, lässt hoffentlich viel Geld in den Geschäften, um andere reich zu beschenken und oft wird man ja auch gerade zur Weihnachtszeit gebeten, die armen Menschen zu unterstützen, die man nicht kennt und die nicht so reich beschenkt werden. Vermutlich lauern daher vor allem um die Weihnachtszeit so viele Leute vor den Geschäften, die den Leuten zwielichtige Verträge aufschwatzen wollen, unter der Angabe, man würde so den bedürftigen Personen helfen.
Zunächst wurden wir schon von einer etwas nervigen Dame angesprochen, vom Alter her um die 18. Die machte erst eine wohl eher vorgetäuschte Umfrage (mit Strichlisten bei Ja-Antwort, ohne überhaupt die Gesamtzahl der Befragten festzustellen) zum Thema Drogenmissbrauch, angeblich im Auftrag einer Firma (deren Namen ich nicht verstand), die schon die Anti-AIDS- und Keine-Macht-den-Drogen-Kampagnen leitet. Zunächst folgten einige Fragen zum Thema Drogen, ob wir selbst schonmal Drogen konsumiert haben, ob man ehemaligen Drogenabhängigen eine zweite Chance im Leben geben sollte und ob wir rauchen. Vermutlich würde da keiner behaupten, dass Drogenabhängige keine zweite Chance verdienen. Dann ging es um den Vertrag. Angeblich existieren wohl um die zehn Personen im Raum Nürnberg, die ehemalige Drogenabhängige und HIV positiv sind und die wegen ihrer Vorstrafen usw. keine staatliche Schule mehr besuchen könnten und daher auf eine private Abendschule gehen müssten. Da die Behandlung von AIDS aber soviel Kosten würde, fehle natürlich das Geld für die Abendschule. Und nun kamen die Bedingungen: Man solle doch bitte pro Tag 20 Cent – angeblich pro Woche 1,75€ (sic) – für einen dieser armen Menschen zurücklegen, denn soviel würde reichen, damit die Schule bezahlt werden könnte. Das ganze wäre natürlich vertraglich geregelt usw.. Mein Einwand, dass mir eine zweckgebundene Spende in diesem Fall lieber wäre, wurde damit abgelehnt, dass das Unternehmen als Firma keine Spenden akzeptieren darf, das dürfen nur Vereine. Als ich daraufhin entgegnete, dass ich dann lieber einem anderen Verein spende, der sich um die gleichen Menschen kümmert, war die Sache auch schon erledigt. Die Dame ging sichtlich genervt ihren Weg und wir den anderen.
Der zweite Fall war da schon etwas komplizierter. Wir wurden wieder angesprochen mit der Frage nach unserem Alter und diesmal ging es um Jugendliche, die Hartz 4 empfangen. Diese armen Kinder sollen sich durch das Austragen von Zeitungen ein wenig Geld dazuverdienen und dazu hilft ihnen ein toller Zeitungsverlag. Der bietet uns angeblich an, zwei Monate lang gratis eine Zeitung freier Wahl zu uns zu liefern, am Ende sollen wir lediglich nur die Zustellung durch den “Test-Hartz-4-Kandidaten” beurteilen, damit man eine Entscheidung zur Einstellung der Person hätte – auch wenn ich nicht weiß, wieviel bei so einer Zustellung schiefgehen kann, geschweige denn, wie es organisatorisch möglich sein soll, dass tatsächlich ein Hartz-4-Empfänger die Zeitung bei mir austrägt.
Schnell war das Formular aus der Tasche gezogen und unsere Daten wurden aufgenommen. Diese wurden anhand von Personalausweis bzw. Führerschein geprüft, wobei die Dame dabei ständig den Witz machte, mit dem entsprechenden Ausweis abhauen zu wollen – der zog aber schon beim ersten Mal nicht wirklich und steigerte auch nicht ihre Seriösität. Beiläufig wurde nach den Berufen gefragt. Nachdem ich mit nebenberuflicher Selbstständigkeit antwortete, musste ich erstmal erklären, was das bedeutet und was ich denn dann hauptberuflich arbeiten würde. Ich antwortete mit “vom Bafög-Amt Geld beziehen” und die Dame meinte zu mir mit ernstem Blick “also auch Hartz 4″ – hätte ich ihr doch mal lieber das Bundesausbildungsförderungsgesetz um die Ohren gehauen.
Als man dann schließlich meine Bankdaten verlangte, musste ich dennoch nachhaken. Angeblich bräuchte man diese zur Bonitätsprüfung (was natürlich quatsch ist – dazu ist generell nur der Name nötig). Nachdem wir zögerten, fragte die Dame uns, ob wir denn wissen, was Bonität bedeutet. Als wir mit “Kreditwürdigkeit” antworteten, lachte sie laut, erklärte uns, dass sie jetzt laut lachen müsste und dass der Verlag wissen muss, ob wir Schulden bei ihm hätten. Wäre das der Fall, könne man uns leider keine Gratisausgaben zukommen lassen – wie auch immer der Verlag damit die Schulden begleichen will. Dann wurde uns bereits zum fünten Mal versichert, dass Vetragsabschlüsse auf der Straße seit dem 1.1.2009 verboten seien und sie bestimmt nicht dort ständen, wenn das ganze nicht seriös wäre. Abgesehen davon gäbe es immer noch den berühmten “Kontrollanruf” des Chefs (der scheinbar dort alles schmeißt, was nicht auf der Straße passiert), bei dem wir wieder alles rückgängig machen könnten. Dennoch stand immer noch die Frage im Raum bzw. auf der Straße, wozu eine Bankverbindung nötig wäre, wenn doch alles gratis wäre. So verzichtete man schließlich auf die Bankverbindung und wollte nun eine Unterschrift. Und da stockte ich doch sehr, nachdem ich das Formular sah.
Das Formular besagte, dass man ein Abo über 14 Monate einer gewünschten Zeitung abschließt, von den man zwei nicht bezahlen müsste. Also doch ein Vertrag, und von Hartz-4-Empfängern stand da mal gar nichts. Man versicherte uns nun bereits zum zehnten Mal, dass ich bei Betrug die Dame anzeigen könnte und sie daran nur einen Euro verdienen würde und für den nicht in den Knast gehen wollen würde, dass Vertragsabschlüsse auf der Straße ja nicht zulässig wäre und beim “Kontrollanruf” ja alles rückgängig gemacht werden könne, zudem würde man uns dann das Original des, nun, äh, “Nicht-Vetrag”-Zettels zurückschicken.
Zu Hilfe eilte nun eine zweite Dame des Vereins, um uns auch nochmal mit “Kommt mal her, ihr hübschen…” und anschließender angeblicher Geheimnistuerei zu überzeugen. Letztendlich wäre natürlich alles gratis und keiner will deswegen in den Knast gehen und es wäre kein Vertrag – denn man beachte – wenn kein Kreuz oben bei einer Zeitschrift wäre, würden wir nur zwei Monate lang Gratisausgaben beziehen und dank dem Durchdruck wäre ein nachträgliches Hinzufügen des Kreuzes natürlich Urkundenfälschung. Außerdem wären die “VSR Verlag Service GmbH”, von der der Vertrag stammte, der zweitgrößte Verlag Deutschlands – von dem wir dennoch nie was gehört hätten – und den Springer-Verlag würde man auch noch besiegen, nachdem die doch so unseriös wären. Konnte mich dennoch nicht überzeugen.
Zu Hilfe kam dann noch eine dritte Dame, die zweite Dame gab schließlich auf und immer noch wollte man uns erklären, dass es kein Vertrag sei – auch wenn auf dem Durchdruck “Vertragskopie für Kunde” stand. Das ganze geriet dann in einen Teufelskreis, bei dem uns noch mindestens zehn Mal versichert wurde, dass Verträge auf der Straße abzuschließen illegal sei, der Kontrollanruf, usw.. Auf dem Zettel steht ja außerdem ganz groß “2 Monate Gratis”, womit angeblich bestätigt wäre, das alles gratis ist. Schließlich wurde es langweilig und ich erklärte schließlich, dass es für mich am wenigsten Stress wäre, wenn ich das Original einfach gleich behalte und wir getrennte Wege gehen würden. Da hielt man sich natürlich bedeckt und verlangte den Teil des “Nicht-Vertrag”-Zettel zurück, in dem die “Mitarbeiternummer” vermekt war.
Als wir dann schließlich zuhause ankamen, traf man bei der Google-Suche nach dem angeblichen Verlag (sic) “VSR Verlag Service” natürlich gleich auf vom Betrug betroffene. Außerdem fiel mir bei genauerer Betrachtung des Zettels auf, dass Hörzu, Spiegel, Stern und Focus bei komplett verschiedenen Verlägen sind – Hörzu sogar beim angeblichen Feind, der Axel Springer AG.
Bleibt nur noch die Fragen, ob sich diese Damen überhaupt bewusst sind, was sie da machen und vor allem: Wieso?

Selb, GERMANY